Amazon Flow – Werden wir bald alle zu Verkaufsflächen?

Die aktuelle Version der Amazon App eröffnet mit einer innovativen Funktion „Flow“ eine ganz neue Dimension des Social Online Shoppings. Damit können Einkaufswillige, neben dem Barcode-Scan, auch Produkte abfotografieren- und werden direkt zur passenden Amazon Seite weitergeleitet. Somit wird das gesamte Umfeld zu einem riesigen Showroom. Das Shoppingerlebnis wird nicht mehr zeitlich eingrenzbar, sondern auf den gesamten Alltag ausgedehnt. Wenn man etwas sieht, was man haben möchte kann man einfach ein Foto davon machen und schon ist praktisch der Einkauf getätigt.

(Foto © Ariel Zambelich/WIRED)

Vorbei die Zeiten des mühseligen Durchforstens des Internets nach dem Wunschobjekt, geschweige denn der ausgedehnten Shoppingtouren in realen Geschäften. Sollte die App sich, wie von Amazon versprochen lokal ausweiten, wird dem Einzelhandel bald (mal wieder) der Tod prophezeit.

Doch die wichtigere Frage ist, wie kann solch eine Funktion in unseren Alltag eingreifen und ihn in Zukunft verändern? Wird aus Social Shopping ein „Social Nach-Shopping“?

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Social Nach-Shopping mit einem Klick

Klar ist: Menschen definieren sich über ihre angesammelten Gegenstände. Ob das hübsche, neue Kleid aus dem Laden um die Ecke, die tolle, beschichtete Kuchenform oder das bequeme Sofa- nach einem gelungenen Einkauf ist man zufrieden, stolz und fühlt sich einzigartig. Möglicherweise erzählt man seinen Freunden und allen, die es mehr oder weniger interessiert, wo und wie man fündig geworden ist. Ganz selten kommt es vor, dass diese dann in absehbarer Zeit in den selben Laden rennen und sich etwas nachkaufen. Doch was passiert, wenn die neusten Errungenschaften für andere nur noch einen Klick weg sind? Macht man sich selbst und seine Wohnung zum Showroom für andere? Je nachdem wie gut die technische Erkennung der Gegenstände sein wird, können vielleicht bald Produkte auch ohne erkennbare Verpackung scann- und nachkaufbar sein.

Instagram zeigt den Erfolg visueller Inspiration

Auf Instagram kann man den Erfolg visueller Shoppinginspiration durch ganz normale Menschen nur erahnen. Modelabels wie der Accessoire-Hersteller NouviNomi nutzen Instagram zur  relativ billigen Verbreitung ihrer Waren und ihres Lebensgefühls durch Schnappschüsse von Laienmodels und privaten Einblicken. Somit wurde Instagram zur „best platform for brands“ in Jahr 2013, mit viel Zukunftspotential. Denn vor allem für Mode- und Lifestyle Firmen ist die  intuitive Präsentation ihrer Produkte ausschlaggebend für ihren Erfolg online. Und genau das kann eine visuelle Plattform wie Instagram bieten.

Die Bedrohung unserer Shopping-Autonomie?

Aber was passiert, wenn wir durch die Möglichkeit des Abscannens unserer Sachen selbst zu einer visuellen Plattform und somit zum Bindeglied zwischen Offline und Online, also unserem Alltag und E-Commerce werden? Wie können wir dann noch unserer Shopping-Autonomie aufrecht erhalten?

Ich persönlich finde die Innovation von Amazon einen logischen Folgeschritt nach dem Barcode-Scan. Es ist praktisch, ohne großes Suchen direkt das gewünschte Produkt bestellen zu können. Wenn man allerdings diese Entwicklung weiterdenkt und sich vorstellt, dass bald ich selbst zu einer Art Verkaufsfläche für alle die mich sehen werde, komme ich ins Grübeln. Denn wer wird schon gerne und auch noch ohne große Bemühungen kopiert? Wo bleibt da die Individualität und das positive Gefühl nach einem Einkauf? Dennoch muss man zugeben, dass diese Entwicklung grundsätzlich für den Online Handel ein großer Schritt rein in das Leben ihrer Kunden wäre. Denn so kann man als E-Commerce Unternehmen sicherstellen, dass interessierte Kunden ihr gewünschtes Produkt finden. Die Frage bleibt, ob es ein Spiel zwischen Vollsortimentern wie Amazon wird oder auch kleinere Händler sich im Product Tagging platzieren können.

Veröffentlicht von Marina Schakarian

Marina Schakarian kümmert sich bei ZDF Digital um die Influencer-Ansprache, sowie Strategie und Konzeption von Social Media-Kampagnen. Außerdem bloggt sie unter Meinvorgestern.de selbst über Vintage-Lifestyle. Sie freut sich über neue Instagram-Follower.

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