Lässt uns Content Marketing emotional abstumpfen?

Dass Werbebanner im Internet nicht mehr richtig wahrgenommen werden, ist schon lange ein bekanntes Phänomen. Wir alle sind es schon gewohnt, Pop-Up Fenster wegzuklicken und uns so „wie blind“ durch das Netz zu navigieren. Händler und Werbetreibende mussten lernen, dass Content King ist, und so relevante und interessante Werbeformen schaffen. Anfang des Jahres zeichnete sich der Trend des Storydoings ab- Hauptsache den Usern was an guten Inhalten bieten.

(Foto © Janice Alcantar/Monitive)

Content Marketing is King

Content Marketing heißt das große übergeordnete Buzzword dazu. Werbung und Produkt muss nicht mehr zum User kommen, sondern dieser findet über emotional anregende Geschichten selbst zum Produkt (noch ein Buzzword „Inbound Marketing“). Idealerweise produziert das Unternehmen Content, schüttet ihn aus und kann sich dann mit einem intrinsisch motivierten, hoch loyalen Netzwerk schmücken, das gerne interagiert -und natürlich das Wichtigste- auch kauft.

Hier raffinierte Beispiele der Big Player

Aus dem Internet und sozialen Medien mittlerweile nicht mehr wegzudenken sind Seiten wie Upworthy und Heftig. Diese setzen auf emotionale, teils außergewöhnliche, teils triviale Geschichten hinter extrem aktivierenden Überschriften.

Content-Marketing als Energie-Vampir

Der Hype um emotionalen Content hat allerdings ein Problem. Zur Veranschaulichung ein Szenario: Man trifft sich mit einem Freund auf einen Kaffee. Schon nach kurzer Zeit des Zuhörens fühlt man sich erschöpft und erschlagen von den Geschichten und Problemen des Freundes. Was ist passiert?

Content Schock als Folge von empathischem Overload

Wenn man den Geschichten anderer lauscht, vor allem wenn sie emotional aufgeladen sind, löst dies in erster Linie Mitgefühl und Anteilnahme aus. Doch ab einem bestimmten Zeitpunkt sink die Aufmerksamkeit, man fühlt sich erschöpft und energielos (sehr empfehlenswert: Wie man Energievampire im Reallife erkennt und besiegt hier). Ähnlich kann es uns mit der ansteigenden Flut an (Werbe-)Geschichten aus dem Internet ergehen. Was folgt ist ein Content Schock. Diese Überforderung führt meist, wie bei klassischem Burnout, zu emotionaler Abstumpfung.

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Folgt nach Banner Blindness wirklich Content Blindness?

Ich selbst merke, dass mich medialvermittelte emotionale Geschichten, lange nicht mehr so berühren wie früher. Wenn man früher auf jeden reißerischen Link von Heftig geklickt hat, überlese ich diese nun oft. Man hat einfach schon viel gehört und gesehen. Das höchste der Gefühle ist ein Lächeln als Antwort auf eine (Unternehmens-)Story.
Aber reicht dies wirklich aus, damit sich Content Marketing und Storydoing wirklich auf Dauer durchsetzten? Oder werden wir alle unter Content Blindness leiden als Folge der vielen, kreativen und emotional erzählten Geschichten? Immerhin bedeutet eine gute Geschichte, verglichen mit klassischer Werbung, ein höherer Aufwand in Konzept und Umsetzung für das Unternehmen.

Wie strapazierbar sind die emotionalen Grenzen des Mitgefühls im Dienste der Werbung? Müssen wir bald alle mit klassischen Werbespots von unserem Content Burnout kuriert werden? Oder werden wir selektiver Mitgefühl erleben?

Was ist Ihre Meinung zu der Zukunft des Content Marketings?

Veröffentlicht von Marina Schakarian

Marina Schakarian kümmert sich bei ZDF Digital um die Influencer-Ansprache, sowie Strategie und Konzeption von Social Media-Kampagnen. Außerdem bloggt sie unter Meinvorgestern.de selbst über Vintage-Lifestyle. Sie freut sich über neue Instagram-Follower.

1 Kommentar

  1. Leider wird in der teils recht akademisch geführten Diskussion um Content Marketing der Inhalt (Content) allzu häufig gleichgesetzt mit „kreativen und emotional erzählten Geschichten“. Es entsteht der Eindruck, als müsse jeder Inhalt in eine Story verpackt werden, um wahrgenommen zu werden. Dem ist nicht so! Nutzwert hat viele Gesichter und unterscheidet sich in seiner Form je nach Business-Anforderung erheblich.

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